Déjà-vu für Christian Mathenia?

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Zwölf Spiele ohne Sieg in Folge, am Ende der Saison waren es insgesamt 24 Partien, in denen Hamburg nicht gewinnen konnte. Auch die fünf Platzverweise (zweimal Gelb-Rot, dreimal Rot) aus jener Spielzeit erinnern ein wenig an die vergangenen Partien des 1. FC Nürnberg. „Das geht nicht, denn es schwächt uns und wirft uns ständig zurück.“ Die Worte vom damaligen HSV-Cheftrainer Markus Gisdol könnten auch von Club-Trainer Boris Schommers stammen.

Doch am Ende gelang den Norddeutschen noch die Wende. Christian Mathenia, damals mittendrin, erklärt: „Es war sehr wichtig, dass wir als Mannschaft da gemeinsam durchgegangen sind. Wir haben alle daran geglaubt, alles dafür gegeben und dann noch den Turnaround geschafft.“ Mathenia ist sicher, dass dies auch 2019 mit dem Club noch möglich ist. Täglich gibt der 26-Jährige mit seinen Teamkollegen Gas, damit am Wochenende ein Erfolgserlebnis geschafft werden kann. Offensive schwächelt

Von Kritik an einzelnen Mannschaftsteilen hält Mathenia nichts, fehlende Torgefahr könne man ohnehin nicht allein an der Offensive festmachen. „Die Stürmer müssen die erste Abwehrreihe bilden und arbeiten sehr gut gegen den Ball, das müssen wir als Mannschaft kompensieren. Sie agieren im Sinne des Teams, weswegen ich sehr stolz auf sie bin.“ Auch der HSV schwächelte damals in der Offensive – 33 Mal netzte die Mannschaft um den damaligen Kapitän Gotoku Sakai im gegnerischen Gehäuse nur ein, Toptorjäger war mit fünf Treffern Michael Gregoritsch. Beim Club ist aktuell Hanno Behrens mit vier Treffern die Nummer eins.

Auch im Tor wechselten die Hanseaten damals - ähnlich wie der Club in dieser Spielzeit. Anfangs stand René Adler im Gehäuse, zwischen Spieltag 10 und 18 übernahm Mathenia – mit ihm schaffte es der HSV vom letzten Tabellenplatz auf den Relegationsplatz. Anschließend übernahm erneut der wiedergenesene Adler, bevor der Routinier erneut ausfiel und ab dem 27. Spieltag keine Partie mehr bestritt. "In den Dienst der Mannschaft gestellt"

Den 2:1-Sieg und den damit verbundenen Klassenerhalt am 34. Spieltag, bei der entscheidenden Partie gegen den VfL Wolfsburg, feierte Mathenia im Gehäuse des HSV ausgelassen mit den Zuschauern. „Als ich zum HSV gewechselt bin, war klar, dass Adler spielen wird, weil er eine gestandene Größe war, aber aufgrund seiner Verletzungshistorie wusste ich, dass meine Zeit kommen würde. Ich bin ruhig geblieben und habe mich, wie hier in Nürnberg auch, in den Dienst der Mannschaft gestellt“, blickt Mathenia auf den Kampf um den Stammplatz im HSV-Tor zurück.

Beim Club setzte sich der Rheinländer ebenfalls durch und in der Kabine ist er zum Wortführer geworden. Das war in Hamburg noch anders. Damals spielten fast ausschließlich „gestandene Bundesligaspieler wie Aaron Hunt oder Pierre-Michel Lasogga, die sich auch schon mit dem Kampf gegen den Abstieg auskannten“. Mittlerweile zählt Mathenia in der FCN-Kabine selbst zu den erfahrenen Spielern, steht seinen Mannschaftskollegen mit Rat beiseite - unabhängig davon, ob er spielt oder nicht. Der Glaube ist da Vergleichbar findet Mathenia die Stimmung um die beiden Traditionsklubs herum – der Torhüter legt großen Wert auf ein emotionales Umfeld und hat sich auch deswegen für einen Wechsel zum FCN entschieden. Diesen bereut er trotz der aktuellen sportlichen Lage nicht. Vielmehr versucht er mit seinen gesammelten Erfahrungen die Mitspieler mitzureißen: „Wir sind noch in der Lage, die Liga zu halten. Es gab schon so viele Wunder im Fußball, warum sollten wir nicht belohnt werden für die harte Arbeit? Ich weiß, dass jeder in der Mannschaft daran glaubt und das Unmögliche möglich machen will.“

So wie damals, im Mai 2017.